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Gedanken zum 8. März

8. März 2021

Eigentlich wollten wir Ihnen, den Frauen in Werder, zum Internationalen Frauentag sehr persönlich gratulieren. Ihnen eine Blume reichen, Ihnen für das, was Sie tagtäglich tun, danken, Ihnen die Hände drücken, Sie ermutigen. Ohne Sie würde unsere Gesellschaft im Großen wie im Kleinen nicht funktionieren. Das brauchen wir Ihnen nicht unbedingt erst sagen, das wissen Sie selbst am besten.

Die Pandemie lässt es leider nicht zu. Da machen wir eben das, was Hunderttausende, Millionen Menschen auf der ganzen Welt gerade tun: Corona trotzen und sich den Internationalen Frauentag nicht nehmen lassen. Deshalb wenden wir uns auf diesem Weg direkt an Sie, die Frauen in Werder, weil wir wollen, dass Sie heute und an all den anderen Tagen im Jahr gesehen werden, Sie Respekt und Anerkennung erfahren.

Es ist uns wichtig, Sie in den Mittelpunkt zu rücken: die Frauen im medizinischen – und Pflegedienst, die Sozialarbeiterinnen, die Verkäuferinnen, die Polizistinnen, die Erzieherinnen und Lehrerinnen, die Postbotinnen, die Frauen in der Verwaltung und in den Stadtbetrieben, die Bürgermeisterin, die Frauen im Homeoffice, die Künstlerinnen und Sportlerinnen und all die Frauen, die in den Gaststätten, Hotels, im Einzelhandel um ihre Jobs und ihr Einkommen fürchten müssen. Wir wollen aber auch die ganz jungen Frauen ansprechen, die sich um bestmögliche Abschlüsse in den Schulen, in der Lehre und an den Hochschulen mühen. Die jetzt nicht wissen, wie es für sie überhaupt weitergehen soll, wie ihre Zukunft aussieht.

Sie alle dürfen nicht zu den Verliererinnen der Pandemie werden!

Es reicht nicht, denjenigen enthusiastisch Beifall zu spenden, die ihre Gesundheit, ihr Familienleben aufs Spiel setzen, um mit außerordentlichem Engagement anderen zu helfen. Der Internationale Frauentag ist uns in diesem Jahr besonderer Anlass, von Gesellschaft und Politik einzufordern, endlich Löhne, Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten so zu verbessern, dass alle in Würde leben und arbeiten können. Der Ruf „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ ist für viele Frauen weltweit noch lange nicht umgesetzt. In Deutschland verdienen Frauen 21 Prozent weniger als Männer. Wir befinden uns innerhalb der EU ganz am Ende! Das hat auch damit zu tun, dass vor allem Frauen in den schlechtbezahlten Pflegeberufen und in der erzieherischen Arbeit tätig sind. Wir wollen, dass auf Frauen in Not geachtet wird, arme und obdachlose Frauen mehr Hilfen bekommen, Migrantinnen besser unterstützt und Gewalt gegen Frauen – in welcher Form auch immer - geächtet werden.

Vor über 100 Jahren wurde der Internationale Frauentag von Clara Zetkin initiiert, um die Gleichberechtigung und Gleichstellung der Frauen in der Gesellschaft und in der Familie einzufordern. Das allgemeine Wahlrecht für Frauen wurde erkämpft. Aber in Politik und Wirtschaft sind sie noch lange nicht entsprechend vertreten, nicht in den Parlamenten und nicht in den Führungspositionen der Wirtschaft. Das vom Brandenburger Verfassungsgericht abgelehnte Paritätsgesetz fordert neue Initiativen heraus. So schnell geben sich Frauen nicht geschlagen.

Es gibt vielfältige Formen, sich gegen die Benachteiligung von Frauen, die Diskriminierung unterschiedlichster Gruppen zu wehren. Frauen haben zum „Frauenstreik“ aufgerufen. Es gibt die „Me too-Bewegung“. Die Initiative „One Billion Rising for Justice“ ist ein weltweiter Aktionstag für Gerechtigkeit. In Polen protestieren Frauen gegen die Verschärfung des Abtreibungsrechts und in Deutschland wird der Ruf nach vollständiger Abschaffung der §§ 218 und 219a Strafgesetzbuch wieder lauter. Unsere Solidarität gilt allen, die dafür eintreten, dass das Recht auf Gleichstellung und gleiche Teilhabe gilt. Wir wollen gemeinsam mit Ihnen bereits Erkämpftes verteidigen und es auch nicht unter dem Deckmantel der Pandemie wieder nehmen lassen. Und vielleicht ist es dann nächstes Jahr wieder möglich, den Internationalen Frauentag nicht nur als einen Kampf- sondern auch als einen Feiertag zu begehen.

Ortsverband DIE LINKE. Werder (Havel)

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